19/06/19 - BONOER = GLÜCK

Acht Jahre Bonoer

Vom Gründen, scheitern, wieder aufstehen, anders machen, sich neu erfinden. Und dabei ehrlich zu bleiben.

Heute, am ersten wirklich drückend warmen Sommertag in diesem Jahr, bekomme ich von LinkedIn die Nachricht: „Herzlichen Gückwunsch zum 8-jährigen Firmenjubiläum“.  Ein guter Anlass einmal kurz diese 8 Jahre Revue passieren zu lassen. Und ganz ehrlich: Das war alles andere als ein leichter Weg. 

Zunächst einmal gilt es mit einem weit verbreiteten Voruteil aufzuräumen: Es ist ein Trugschluss, zu glauben, ein Unternehmen sei nach einer gewissen Zeit  – man zieht hier gerne das dritte Jahr heran – gefestigt oder aus dem Gröbsten raus. Es kann immer und jederzeit alles passieren. Ich habe zielstrebig auf den magischen dritten Geburtstag von Bonoer hingearbeitet. Nun haben wir sogar das „verflixte 7. Jahr“ überstanden und ich bleibe dabei: Es kann immer und jederzeit alles passieren. 

Was vor 8 Jahren begann, war eine Art Befreiungsschlag für mich. Ich wollte mich von allen alten Dingen befreien und einfach neu machen, anders, genauso, wie ich das wollte. Das fühlte sich auch tatsächlich sehr gut an. Und es fühlt sich auch heute noch gut an. Ich wollte eine Agentur gründen, in der ich selbst gerne arbeiten würde. Allerdings kamen in den 8 Jahren auch wieder neue Belastungen auf mich zu, über die ich zu Anfang nicht oder nur wenig nachgedacht hatte.

Ehrlich gesagt: Selbstständigkeit und Unternehmertum und damit Verantwortung für eine Firma Angestellte, deren Familien und natürlich auch seine eigene Familie übernehmen zu müssen, ist keine einfache Sache. Vielmehr kann das auch ganz schnell jegliches Gefühl von Freiheit rauben, ohne das es einen schnellen Ausweg aus dieser Lage gibt. 

Auf die – sicher oft gut gemeinte – Frage, wie es denn läuft mit: „alles geil“ oder „mega“ zu antworten, habe ich mir abgewöhnt. Weil ich demütig bin und weil es einfach auch nicht stimmte. Denn es ist und war eben nicht immer alles geil. Bonoer hat harte Zeiten erleben müssen, aus denen wir uns alle gemeinsam mit allen Mitteln herauskämpfen mussten. Auf der anderen Seite gab es natürlich auch die tollen Momente, die Pitch-Gewinne, die spannenden Jobs, die interessanten Kunden, das Miteinander und die Erkenntnis, dass wir oft mit unseren Ansätzen und Denkweisen einfach richtig liegen.

Aber es soll hier ja um Ehrlichkeit gehen. Wäre da nur nicht die Angst, ein schlechtes Bild abzugeben. Die Angst zu scheitern. Dies Ängste, die lähmen in allem was man tut. Und das ist – soviel weiß ich inzwischen – die eigentliche Gefahr. Gar nicht nur unternehmerisch, sondern im ganzen Leben. Wir müssen doch niemandem etwas vormachen. Sag doch einfach wie es ist. Es ist gut und wichtig, Schwierigkeiten und Probleme zu thematisieren und sich mal bei jemandem darüber „auszuheulen“, offen und ehrlich damit umzugehen. Vielleicht ergibt sich daraus ja sogar eine ganz neue Sicht auf die Dinge. 

Ich stelle nicht in Frage, was wir bei Bonoer machen. Im Gegenteil. Es ist vielmehr die Frage, wo wir damit hinwollen, wie sich alles um uns herum verändert und welchen veränderten Aufgaben das für uns mit sich bringt. Sinnstiftung. Wie wir als Unternehmen unterstützen, uns einbringen können, die Welt irgendwie zu verändern. Und sei es nur in kleinen Teilen. Ich glaube, mit Ehrlichkeit,  mit Herzblut und mit unserer Überzeugung ist das möglich. Dinge anders anzupacken als andere. TV-Spot-Produktionen in irgendwelchen Wüsten für horrende Budgets sind nicht unser Thema. Wir wollen bewusst kleinteiliger sein. Mit kleinsten Stellschrauben Dinge anders machen und Sichtfelder öffnen. Und auf unserer Suche nach dem Glück für alle Beteiligten auch uns selbst finden. Es geht nicht ohne Haltung. Haltung sollte heute wichtiger sein, als ein normiertes Bild abzugeben. Auch das Bild, wie eine Agentur heutzutage auszusehen hat. Wenn alle gleich denken würden, verändert sich gar nichts und wir haben immer mehr Werbeeinheitsbrei. Ein schönes Gegenbeispiel: Fridays for future, was für mich wirklich erleuchtend war. Wieder in Movements zu denken und sich bewegen, gemeinsam Dinge anzupacken und zu verändern. Davon brauchen wir mehr.

Klar, wäre man gern in der Situation von den großen Kreativagentur-Flaggschiffen. Sich eher Sorgen um die Zeit machen zu müssen, als um die Kunden. Dann könnten wir alle bestimmt viel besser schlafen. Aber das ist einfach auch nicht alles. So wollen wir auch gar nicht sein. Wie schon erwähnt, wollte ich eine Agentur gründen, in der ich selbst gerne arbeiten würde. Das bedeutet für mich: mit Freunden arbeiten-  so schwierig das sein kann – die aber ein ähnliches, grundsätzliches Mind-Set haben. Die Mitarbeiter nicht auszubeuten. Weder finanziell noch zeitlich. Nicht übermäßig selbstgefällig sein. Uns selbst gegenüber und gegenüber anderen. Eine familiäre Athmosphäre gestalten und Freiräume ermöglichen. Gemeinsam. Und dabei versuchen alle Belange zu berücksichtigen. Schließlich haben wir bei 10 Mitarbeitern 17 Kinder. 
Also weiter so. Die Welt aufsaugen und sich tagtäglich neu inspirieren lassen. Sich immer wieder neu erfinden. Und dabei ehrlich zu sich selbst und anderen bleiben. Auf die nächsten 8 Jahre. Mindestens.